Königreich der Orchideen

Ein Bericht von Dr. Heiko Hentrich über seine Orchideenreise ins Himalajakönigreich Bhutan

Fotos © Heiko Hentrich

Warum Bhutan?

Als Tropenbotaniker habe ich im Rahmen meiner Arbeit viele Länder Lateinamerikas bereist, um an entlegenen Orten Feldstudien durchzuführen. Dabei lernte ich Menschen ganz unterschiedlicher Kulturen kennen und habe es mit der Zeit sehr zu schätzen gelernt, Einblicke in andere Lebensweisen, Umgangsformen, Weltansichten, Speisen und Sprachen zu bekommen. Auf meinen Reisen komme ich in der Regel bei Einheimischen unter und ziehe Privatunterkünfte Hotels vor, da man auf diese Weise viel mehr über ein Land und seine Menschen erfährt.

Da ich quasi mein Hobby zum Beruf gemacht habe, unterscheidet sich mein Urlaub nicht groß von meinen dienstlichen Aktivitäten. Auch in meiner Freizeit stehen die Natur und fremde Kulturen im Vordergrund. Meine Reisen organisiere ich meistens selbst und übernachte bei Freunden oder Freunden von Freunden. Pauschalreisen oder organisierte Touren von Reiseunternehmen haben mich bisher ehrlich gesagt nicht besonders gereizt, auch weil ich davon überzeugt war, dass meine Vorstellung eines Urlaubs, die vor allem durch mein wissenschaftliches Interesse geprägt ist, zu keinem Standard-Programm passt und ich zudem nicht in einer Reisegruppe unterwegs sein wollte.

Vor vielen vielen Jahren, als ich noch ein junger Student war, hatte ich die Gelegenheit, auf einem Orchideenkongress in Costa Rica einen Vortrag Phillip Cribbs, dem ehemaligen Kurator des Orchideenherbariums des berühmten Königlich Botanischen Gartens Kews, über Bhutan zu hören. Phillip kam damals frisch aus dem kleinen buddhistischen Königreich im Himalaya zurück, wo er zusammen mit Nicholas Pearce eine Feldstudie durchführte, um ihr Werk über die Orchideen Bhutans im Rahmen der Reihe der Flora von Bhutan abzuschließen. In seinem Vortrag zeigte er atemberaubende Bilder blühender Orchideen, die in Massen direkt am Wegesrand wuchsen; tiefe Täler aus denen der Nebel emporstieg und Bergkämme, die mit dichtem, ursprünglichen Wald bedeckt waren. Daneben erzählte er kleine Anekdoten, zum Beispiel, wie sein bhutanischer Fahrer mitten auf dem Weg anhielt, um einen Regenwurm von der Fahrbahn zu tragen, damit dieser nicht zu Tode käme. Er war als gläubiger Buddhist davon überzeugt dass quasi eine verirrte Menschenseele in dem Tier steckte.

 

Reiseplanung und Reisevorbereitungen

Der Vortrag hat mich derart beeindruckt, dass ich mir damals geschworen habe, eines Tages nach Bhutan zu reisen, um das Land, die Menschen und seine Natur persönlich kennenzulernen. Fast 20 Jahre dauerte es dann jedoch, bis ich mich dazu entschied, die Organisation meiner Bhutan-Reise in Angriff zu nehmen. Es stellte sich jedoch schnell heraus, dass ich nicht wie gewohnt auf eigene Faust in das Land reisen konnte, sondern nur dann Zutritt bekäme, wenn ich eine geplante Tour eines Reiseunternehmens buchte, was ja eigentlich gar nicht mein Fall war. Dementsprechend hatte ich keinerlei Erfahrung, welche Reiseunternehmen empfehlenswert sind, was bei einer Buchung zu beachten ist, wie der gesamte Ablauf von statten geht und ob ich überhaupt alleine reisen kann und man auf meine doch sehr speziellen Wünsche eingeht. Zufällig erfuhr ich von einer Kollegin, die erst kürzlich Bhutan bereist hat und begeistert von ihrem Aufenthalt war. Sie empfahl mir Bhutan Homestay, eine Agentur mit Ausrichtung auf kulturelle Reisen und der Unterbringung in Privatunterkünften. Ich nahm direkt Kontakt zu Ulli auf, Mitgründerin von Bhutan Homestay in Bhutan und Bhutan Reiseexpertin bei der deutschen Partneragentur E/T/C Reisen, und erzählte ihr einfach mal, wie ich mir meinen Urlaub so vorstellte und was ich sehen wollte – nämlich unberührte Natur, viele interessante Pflanzen, natürlich vorwiegend Orchideen und selbstverständlich auch die tollen Tiere. Außerdem war ich sehr an Bhutan selbst interessiert, an seinen Menschen und ihrer Lebensweise, seiner Geschichte und dem Buddhismus. Erfreulicherweise war Ulli meinen Vorstellungen gegenüber sehr aufgeschlossen, ja sogar regelrecht begeistert, weil sie eine vergleichbare Tour offenbar bereits selbst gerne gemacht hätte. Da es aber auch für sie das erste Mal war, dass sich ein Kunde eine derartige Reise wünschte, verblieben wir zunächst so, dass ich eine Liste aller Orte zusammenstellen sollte, die ich gerne besuchen wollte und sie sich parallel in Bhutan nach „Orchideenleuten“ umhören würde.

Die Grundlage meiner Liste war Cribbs Orchideenbuch, in dem für jede Pflanze Standort, Lebensraum und Blütezeit angegeben sind. Als Tropenbotaniker interessierten mich vor allem die Orchideen der Nebel- und Regenwälder des Landes und weniger die Pflanzen der alpinen Vegetation, wegen denen die Mehrheit der naturliebenden Touristen nach Bhutan kommen. Die Orchideen der tropisch bis subtropischen Vegetation haben drei über das Jahr verteilte Hauptblühzeiten. Ich entschied mich, meine Reise auf Ende Mai zu legen, da sich hier die Blüte der in der Trockenzeit blühenden mit der während des Monsuns blühenden Arten überschneidet. Hierzu zählen vor allem Orchideen der Gattungen Coelogyne und Dendrobium. Die fertige Liste leitete ich dann an Ulli weiter, die sich daraufhin nach Naturführern und Unterkünften an den einzelnen Standorten erkundigte und mir Vorschläge für mögliche Reiserouten schickte. Nachdem ich mich für eine Tour entschieden hatte, liefen die restlichen Reisevorbereitungen relativ entspannt und zügig ab (zumindest für mich).

Ankunft im Land des Donnerdrachens

Die Flexibilität in der Gestaltung des Reiseplans war sehr erfreulich und ist für mich ein großer Pluspunkt der Reiseagentur (ich kann mir vorstellen, wie aufwändig das für die Organisatoren sein muss).

Die Zeit bis zu Abreise verging wie im Winde, und ich war aufgeregt und sehr gespannt, was mich da in Bhutan erwartete. Immerhin war dies mein erster extern organisierter Urlaub und auch meine erste Reise nach Asien. Aber, um es gleich vorwegzunehmen – ich war durchwegs begeistert von dem tollen Tourpaket, das ich bekam! Am Flughafen in Paro erwarteten mich bereits mein persönlicher Gästeführer Pema und unser Fahrer Kinley, die mich während der gesamten Reise begleiteten und mir jeden Wunsch von den Lippen ablasen. Kinley ist ein sehr erfahrener und umsichtiger Fahrer. Ich habe mich in seinem Fahrzeug stets sehr wohl gefühlt und mir wurde auf den vielen Serpentinenstraßen kein einziges Mal schlecht. Pema hat sämtliche Aktivitäten im Hintergrund organisiert, so dass für den kommenden Tag stets immer alles vorbereitet war und glatt lief. Durch den täglichen Abgleich des Reiseprogramms war es sogar möglich, kurzfristig kleine Änderungen einzubauen. Dadurch konnte ich mir noch den ein oder anderen zusätzlichen Dzong anschauen.

Reiseleiter und Naturführer vor Ort

Pema besitzt ein breites Wissen über die Kultur und Geschichte Bhutans, konnte mir an allen Orten die Hintergründe und Zusammenhänge erklären und arrangierte spontane Treffen und Gespräche mit der ansässigen Bevölkerung. Übrigens – um in Bhutan als Reiseleiter arbeiten zu dürfen, müssen die Interessenten eine umfangreiche Ausbildung absolvieren, bei der sie alles über das Land lernen, was ein Tourist so wissen will. Da vor allem die Bevölkerung auf dem Land nur Grundkenntnisse im Englischen besitzt, war Pema auch eine wichtige Schnittstelle, um sich mit den Einheimischen auszutauschen. Zusätzlich zu Pema hatte Ulli für jeden Standort noch einen lokalen Naturführer engagiert. In den meisten Fällen handelte es sich um einen Parkranger mit sehr guten Englischkenntnissen, der die Wälder und Pfade vor Ort kannte und zu Pflanzen und Tieren etwas sagen konnte. Je nach Naturführer gab es natürlich den einen, der weniger und den anderen, der mehr wusste, aber im Großen und Ganzen hat es Ulli geschafft, durchgehend Leute mit guten Orchideenkenntnissen zu bekommen. Ich denke, dass es nur wenige Touristen gibt, die so detailliert an Pflanzen interessiert sind, wie ich. Dementsprechend merkte man es den lokalen Führern auch an, dass sie sehr engagiert waren, um die Wanderungen zu einem echten Erlebnis zu machen.

Homestays – Besuch bei den Einheimischen

In den größeren Städten war ich in sehr komfortablen Hotels untergebracht, was für mich durchaus in Ordnung war (vor allem, wenn man mehrere Tage zuvor in der Wildnis unterwegs gewesen ist). In Paro hatte ich sogar ein Zimmer mit direktem Blick auf das Tiger’s Nest. Auf dem Land wohnte ich in den Häusern der Bauern. Hierbei unterschied sich die Unterbringung natürlich von Familie zu Familie. In den meisten Fällen wurde mir als besonderer Gast die Ehre zuteil, im Altarraum des Hauses zu übernachten. Als Schlafplatz diente in der Regel ein einfaches Bett aus einer Matratze, Kopfkissen und einer Decke. Manche Unterkünfte hatten sich auf die Unterbringung ausländischer Reisender spezialisiert und boten Fremdenzimmer mit Betten nach westlichem Standard und teilweise sogar einem eigenem Bad an. Da ich etwas kälteempfindlich bin, und es an vielen Orten Bhutans nachts durch die feuchte Luft relativ kalt wird, hatte ich meist noch zusätzlich einen Schlafsack ins Bett gepackt. Außerdem sollte ich noch erwähnen, dass Flöhe in Bhutan keine Seltenheit sind. Sie treten vor allem in der Regenzeit in den tiefer liegenden Gebieten auf und hinterlassen lästig-juckende Stiche. Darüber hatte mich Ulli aber bereits vorab informiert und es stellte auch kein wirkliches Problem für mich dar.

Authentische Gastfreundschaft und Kulinarik

Morgens wachte ich meist durch den Geruch verbrannter Kiefernnadeln und den sich ständig wiederholenden Mantras des Morgengebetes der Gastgeber auf. Das gehörte für mich aber zum faszinierenden mystisch-spirituellen Teil des Abenteuers dazu! Die Bhutaner senden mit dem Rauch ein Zeichen zu Guru Rinpoche und glauben, dass dadurch das Glück vom Himmel in ihr Haus findet. Beim Betreten des Hauses des Gastgebers wird man mit einem heißen Getränk und plattgewalztem, rohen Reis, Puffreis oder Keksen empfangen und das unabhängig von der jeweiligen Tageszeit. Ich habe am liebsten das klassische Heißgetränk der Himalaya-Region getrunken – Suja-Tee, einem salzigen Buttertee, der aus Blättern der Himalaya-Mistel, Viscum nepalense, aufgegossen wird. Das Essen in Bhutan kann ich nur als köstlich bezeichnen! Es hat mir überall sehr gut geschmeckt. In den Unterkünften isst man in der Regel im Wohnzimmer und sitzt dort meist auf flachen Kissen, die im Kreis auf dem Boden ausgebreitet sind. Je nach Gusto kann man sich sein Essen selbst zusammenstellen, da die verschiedenen Gerichte in mehreren Schüsseln serviert werden, von denen sich jeder bedient. Vor der Reise klärt man mit Ulli ab, ob es bestimmte Unverträglichkeiten oder Essensgewohnheiten gibt. Der Reiseleiter vor Ort bespricht dann mit dem Gastgeber, ob zum Beispiel ausschließlich fleischlose Kost aufgetischt wird. Reis darf bei keinem Gericht fehlen und kommt immer in rauen Mengen auf den Teller. In Bhutan wird übrigens ein spezieller roter Reis angebaut, der sich geschmacklich für mich jedoch nicht von weißem Reis unterscheidet. Weitere Hauptkomponenten des Essens waren mittelscharfe Chillies, Käse, Bohnen, Pilze, Kartoffeln und Rindfleisch. Mancherorts wurden uns auch getrockneter Fisch, Spinat, Spargel oder etwas exotischeres Gemüse aus dem Wald, wie junge Farnwedel, Bananenblüten, oder Sprossen des Aronstabgewächses Arisaema gereicht. Vegetarier müssen sich also keine Sorgen um das leibliche Wohl machen. Beim Dinieren in den Restaurants kann ich jedem nur „Momos“ ans Herz legen. Das sind mit Gemüse oder Hackfleisch gefüllte Teigtaschen, die gedünstet oder frittiert mit einer Chili-Soße gereicht werden. Wirklich sehr lecker! Wenn Sie zu den Menschen gehören, die im Ausland gesundheitliche Probleme beim Verzehr der einheimischen Speisen bekommen, so kann ich Sie beruhigen. Ich hatte zuvor Schreckensgeschichten von Freunden und Kollegen gehört, die nach Indien und Nepal gereist waren und dort übelsten Durchfall bekamen. Dementsprechend stattete ich meine Reiseapotheke mit allerlei Mittelchen aus, habe davon aber kein einziges gebraucht! Bhutan scheint in der Himalaya-Region in dieser Hinsicht wirklich eine Ausnahme zu sein. Ich hatte erfreulicherweise während der gesamten Reise keinerlei Verdauungsprobleme. Alle Bhutaner, die ich während meiner Reise kennenlernte, waren sehr gastfreundlich und es war für sie eine Ehre, mich in ihrem Haus willkommen heißen zu dürfen. Da ich bei meinen bisherigen Auslandsaufenthalten überwiegend mit Latinos zu tun hatte, von denen die Mehrheit typischerweise sehr extrovertiert, temperamentvoll und warmherzig ist, war ich jedoch zunächst etwas über die eher zurückhaltende Wesensart des bhutanischen Volkes irritiert. Wenn man jedoch ein offener Mensch ist, auf sie zugeht und sich für sie interessiert, tauen die meisten auf und fangen ihrerseits an, sich einem zu öffnen. Eine Sache, die ich mir anders vorgestellt hatte, war das Zusammenleben mit dem Gastgeber. Ich bin ursprünglich davon ausgegangen, dass es deutlich mehr Interaktionen und Einblicke in das alltägliche Leben in Bhutan gäbe. Doch obwohl ich im selben Haus unterkam, fand das Familienleben meist getrennt von mir statt. Zum Beispiel aßen wir fast nie in Gesellschaft der Gastfamilie. Die Gastmutter servierte dem Reiseleiter, dem Fahrer und mir das Essen und verschwand dann wieder, um später separat zu essen. Das war häufig selbst beim Begrüßungstee der Fall, was ich sehr schade fand, da das gemeinsame Einnehmen der Speisen in der Regel die beste Möglichkeit ist, um ins Gespräch zu kommen und Erfahrungen auszutauschen.

 

Tigernest, Takin und andere Höhepunkte

Kommen wir nun zum Verlauf der Reise. Das Programm war so gestaltet, dass wir zunächst die kulturellen Höhepunkte West-Bhutans besichtigten und danach zum Outdoor-Teil im Zentrum und Süden und Südosten des Landes übergingen. Wie jeder Tourist, der nach Bhutan kommt, wollte natürlich auch ich das berühmte Kloster Taktsang – das Tiger’s Nest – sehen. Es ist vermutlich die am meisten besuchte Sehenswürdigkeit des Landes und dementsprechend überlaufen. Zum Glück waren wir schon sehr zeitig am Morgen unterwegs und trafen auf dem Hinweg nur wenige andere Besucher. Auf dem Rückweg hingegen kamen uns dann tatsächlich viele Menschen entgegen – überwiegend indische Touristen, die im Gegensatz zu Staatsangehörigen anderer Länder, frei nach Bhutan einreisen dürfen. Bei meinen Reisevorbereitungen hatte ich Bedenken, ob mein Körper wohl mit der extremen Höhenlage zurechtkommen würde. Sämtliche größeren Städte im Westen des Landes liegen immerhin über einer Höhe von 2000 m. Der Anstieg zum Kloster Taktsang zieht sich über 600 Höhenmeter, bis man eine Höhe von 3120 m erreicht. Zu meiner Verwunderung hatte ich aber weder Probleme mit der Höhenkrankheit, noch mit Sonnenbrand. So touristisch Taktsang auch sein mag, der Besuch lohnt sich definitiv. Ich war fasziniert von den vielen verschiedenen Tempeln im Kloster und den verwunschenen Geschichten dahinter. Als kleine Anregung für alle Fotografen empfehle ich, das Kloster nicht nur vom offiziell ausgewiesenen Foto-Standort aus zu fotografieren, wo jeder andere seine Instagram-Handybilder macht, sondern bereits beim Aufstieg mit dem Bildermachen zu beginnen. Auf dem Weg bietet sich nämlich mehrfach die Gelegenheit, das Kloster in die atemberaubende Landschaft einzubetten, zum Beispiel an der großen Gebetsmühle. In allen Tempeln in Bhutan ist übrigens das Fotografieren verboten.

 

Der nächste Halt nach Taktsang war die Hauptstadt Thimphu, wo wir die Dzongs, das staatliche Institut für Traditionelle Medizin, die große Buddha-Statue, den Königlich-Botanischen Garten, die Papierfabrik, das Königliche Takin-Wildreservat und den Zentralen Markt besuchten – ja, in Thimphu gibt es wirklich einiges zu sehen! Ich kann nur jedem empfehlen, der generell an der Kultur eines Landes interessiert ist, auf die regionalen Märkte zu gehen. Man kann durch die angebotenen Waren und dem, was die Menschen täglich essen, so viel über ein Land lernen! Außerdem trifft man auf dem Markt eine bunte Mischung von Menschen verschiedenster Landesteile, Ethnien und sozialer Herkünfte. Daher war auch der Zentrale Markt für mich ein Höhepunkt der Reise. Wenn Sie auf der Suche nach ausgefallenen Souvenirs sind, so kann ich die handgemalten Bilder, die in der Papierfabrik zu verschiedensten Preisen angeboten werden, empfehlen. Der Königlich-Botanische Garten ist hingegen weniger empfehlenswert, da er eher einem Park mit Picknickplätzen gleicht als einer Pflanzensammlung.

Wir setzten unsere Reise nach Punakha und Trongsa fort, wo wir die Dzongs besichtigten. Für mich war der Dzong in Punakha der schönste des Landes. Zum einen wegen seiner einzigartigen Lage, auf einer Insel am Zusammenfluss zweier großen Ströme aus dem Himalaya, mit einer beeindruckenden Brücke und vielen lila-blühenden Jacaranda-Bäumen, die das Festungskloster umgeben. Zum anderen wegen der vielen liebevoll handgearbeiteten, filigranen Ornamente der Gebäude. Auch der Dzong in Trongsa ist etwas ganz besonderes – er steht spektakulär auf einer Klippe über einem tiefen Tal und ist glücklicherweise weniger überlaufen als die Dzongs im Westen des Landes. In jedem Dzong befinden sich mehrere Tempel, von denen einer für die Öffentlichkeit zugänglich ist. Innen sind die Tempel farbenfroh bemalt, mit bunten Stoffen verziert und haben oft beeindruckend große, aufwändig kunstvoll verzierte Statuen verschiedener Buddhas, Guru Rinpoches und seiner Erscheinungsformen oder Shabdrung Ngawang Namgyels. In den Dzongs und vor allem in den Tempeln herrscht eine ganz besondere, spirituelle Atmosphäre. Wenn man möchte, kann man auch heiliges Wasser trinken. Dieses gießt einem ein Mönch vor dem Altar aus einer sakralen Karaffe in die Hand. Durch den Besuch der Klöster, den erlebten Alltag der Bhutaner und die Erläuterungen meines Reiseleiters konnte ich einen ersten Einblick in die Religion des Buddhismus gewinnen. Im Laufe der Reise wurde mir aber auch bewusst, dass Buddhismus und das buddhistische Leben so weitreichend und facettenreich sind, dass es länger braucht, um diese Religion tiefer zu ergründen. Die Reise gab mir jedoch zumindest den Anreiz, mich in Zukunft weiter damit zu beschäftigen.

Flora & Fauna

Und nun kommen wir endlich zu dem Kapitel, auf das Sie bereits so lange gewartet haben – meinen Eindrücken von der Natur Bhutans. Unsere Reiseroute führte uns zunächst in den Süden nach Nabji, Tingtibi und Pangbang. Von dort aus ging es dann weiter nach Osten über Pemagatsel und Goemba nach Samdrup Jongkhar. Um es kurz zu machen – meine Erwartungen an das Naturerlebnis wurden weitgehend erfüllt und ich wurde nicht enttäuscht! Ein Großteil der Landesfläche ist tatsächlich von unberührten Wäldern bedeckt oder wurde zumindest wiederaufgeforstet. Beim Betreten dieser Wälder war ich beeindruckt von ihrem natürlichen Reichtum an Pflanzen und Tieren. Vor allem in den Gebieten mittlerer und niedriger Lagen sahen wir viele Affen und Vögel. Ich muss hier aber auch so ehrlich sein und sagen, dass der Mensch auch in Bhutan seinen Fußabdruck hinterlassen hat. Gerade in der Umgebung der Städte und Dörfer war er deutlich sichtbar. Wie anderswo auf der Welt findet man auch in Bhutan entwaldete Flächen oder sogar Reisfelder und kleine Siedlungen mitten im Nationalpark. Nichtsdestotrotz hatte ich generell den Eindruck, dass die Bhutaner einen ganz anderen Bezug zur Natur haben. Die Natur hat in Bhutan definitiv einen höheren Stellenwert als anderswo, und ich hatte das Gefühl, dass sich die Menschen als Teil einer gesunden und gut funktionierenden natürlichen Umwelt sehen und ihr daher auch mit entsprechendem Respekt und Vorsicht begegnen. Insofern empfand ich auch die sichtbare Umweltverschmutzung als äußerst gering. Auf den Straßen lag kein Müll herum und auf den Märkten waren Schilder angebracht, die die Menschen dazu aufforderten, wiederverwendbare Taschen mitzubringen.

 

Aufgrund ihres buddhistischen Glaubens jagen die Bhutaner auch keine Wildtiere, nein viel besser – sie töten keinerlei Tiere – nicht einmal lästige Stechmücken. Die meisten Bauernfamilien halten sich eine Handvoll Milchkühe für den Eigenbedarf. Es ist allerdings nicht erlaubt, die Tiere in einen Stall zu sperren. Sie bewegen sich mehr oder weniger frei in der Umgebung des Hofes. Statt der Kühe sind dann dafür aber die Felder von einem Zaun umgeben. Da viele Siedlungen in unmittelbarer Nachbarschaft zu einem Nationalpark liegen, kommt es hin- und wieder vor, dass Wildtiere, wie größere Katzen oder Wildschweine aber auch Affen in die bewohnten Gebiete vordringen und einen Teil der Ernte fressen oder sogar ein Nutztier reißen. In solchen Fällen versuchen die Bauern, die Schweine zu fangen und in den Wald zurückzubringen. Oder sie bauen am Waldrand präventiv einen elektrischen Zaun auf, um Raubtieren den Zugang zum Dorf zu erschweren. Dieses Vorgehen ist verblüffend, wenn man bedenkt, welchen immensen Schaden die Jagd auf Wildtiere in anderen Ländern hinterlassen hat und dadurch bereits viele größere Säugetiere in besiedelten Gebieten ausgerottet wurden.

Orchideen

Was die Pflanzen anbetrifft, so fanden wir vor allem in den Lebensräumen, die für Epiphyten besonders geeignet sind (Höhenlagen zwischen 1500-1800 m), eine Fülle von Orchideen. Äste, Stämme, manchmal sogar ganze Bäume waren mit einer dicken Schicht verschiedenster Orchideenarten, aber auch anderer Aufsitzerpflanzen, wie Farnen (meistens aus der Gattung Drynaria), Hoya, Dischidia, Aeschynanthus, etc. überzogen. Selbst die Bäume in den Dörfern – teilweise direkt neben dem Supermarkt – waren voll von natürlich dort wachsenden Orchideen. Daher stand ich mehr als einmal vor einer atemberaubenden Naturkulisse. Wie in der Orchideenliteratur beschrieben, sahen wir überwiegend verschiedene Dendrobium und Coelogyne-Arten. Mich beeindruckte vor allem der Anblick besonders großer und reich blühender Pflanzen oder Pflanzenpopulationen, die man in Kultur nie in einer vergleichbaren Größe sehen würde. Neben diesen beiden Gattungen stießen wir in den Rhododendron-Hainen der höheren Lagen auch auf Pleione und in den frostfreien Gegenden auf verschiedene Bulbophyllum-Arten, Aerides, Arundinea, Calanthe, Callostylis, Cleisostoma, Oberonia, Otochilus, Phalaenopsis, Pholidota, Vanda und viele mehr.

 

Meine persönlichen Orchideen-Highlights der Reise:

  • ein Wald voller blühender Dendrobium nobile
  • eine sehr große, blühende Dendrobium devonianum-Pflanze
  • ein mit etlichen blühenden Coelogyne corymbosa bedeckter Baum
  • ganz in der Nähe davon eine große, blühende Dendrobium candidum
  • ein sehr artenreicher Orchideenpfad bei Tingtibi
  • Populationen von Vanda bicolor und Paphiopedilum fairrieanum
  • und zum Abschluss die Fahrt von Gomdar nach Samdrup Jongkhar, auf der wir regelmäßig Stopps einlegen mussten, weil am Wegesrand immer wieder irgendeine große, mit Blüten übersäte Orchidee auftauchte.

In den meisten lateinamerikanischen Ländern findet man für gewöhnlich mehr Orchideen in Privatgärten und den Häusern der Leute als an ihren ursprünglichen Standorten. Die schönsten Orchideen sind aus der Natur komplett verschwunden oder können nur noch an wenigen entlegenen Orten in kleinen Populationen angetroffen werden. Während meiner Reise in Bhutan erzählten mir die lokalen Naturführer, dass die Bhutaner generell kein großes Interesse an Orchideen haben und daher auch nicht in den Wald gehen, um sie sich dort von den Bäumen zu holen, was schon fast an ein Wunder grenzt. Es gibt jedoch wenige Ausnahmen: nahezu vor jedem Bauernhaus und auf den Eingangstreppen der Klöster fielen mir große Töpfe mit Cymbidium-Orchideen auf. Hintergrund ist vermutlich, dass die Blüten und Knospen dieser Gattung in Bhutan als Delikatesse gegessen werden. Die einzigen noch im Wald vorhandenen Pflanzen findet man daher meist nur in den hoch liegenden Astgabeln großer Bäume. Dasselbe gilt übrigens auch für Dendrobium densiflorum. Bei dieser Art dienen die Blüten aber wohl eher doch dekorativen Zwecken. Die terrestrische Frauenschuh-Orchidee Paphiopedilum fairrieanum ist als Zierpflanze leider auch sehr begehrt, jedoch überwiegend im Ausland. Infolge starker Sammelaktivitäten für den ausländischen Markt ist diese Art in Bhutan nahezu ausgestorben und wächst nur noch an wenigen, geheim gehaltenen Orten.

Nabji-Trek – ein Naturerlebnis!

Das schönste Naturerlebnis meiner gesamten Reise war sicherlich der Nabji-Trek. Ulli hatte die Idee, ihn mit ins Programm zu nehmen und ich bin ihr dafür sehr dankbar. Es handelt sich um eine viertägige Wanderung auf einem schmalen Pfad durch den Jigme Singye Wangchuck Nationalpark. Das tägliche Ziel jeder Etappe ist jeweils ein kleines Dorf der einfach lebenden und sehr herzlichen Menschen des Monpa-Volkes. Diese siedeln am Rande des Nationalparks und bieten den Wanderern eine Übernachtungsgelegenheit in ihrem Haus. Zur Bewältigung des Pfades sollte man körperlich fit und trittsicher sein, da es mehrere steile Anstiege gibt. In der Regenzeit kommen zu den Strapazen noch Blutegel und Flöhe hinzu. Der Wanderweg führt an verschiedenen reizvollen Landstrichen vorbei, mit Wasserfällen und Felsformationen. Dabei durchstreift man unterschiedliche Lebensräume, wie Pinienwälder, tropische Regen- und Nebelwälder. Ein weiteres Detail, das den Pfad zu etwas besonderem macht, ist die Erzählung, dass Guru Rinpoche diesen Pfad auf seiner Reise nach Indien gegangen ist. Entlang des Weges finden sich etliche Gedenkstätten mit Tafeln, auf denen beschrieben wird, welches besondere Ereignis sich am jeweiligen Ort zugetragen hat. Dies reißt einen automatisch in eine mystische Zeit, die die Wanderung zu einem besonderen Erlebnis macht. Stellen Sie sich nur einmal vor, Sie befinden sich in einem wolkenverhangenen, dunklen Wald. Hier befindet sich eine Gedenkstätte, an der sich das Pferd Guru Rinpoches angeblich weigerte weiterzulaufen, weil der Wald verwunschen war und dort eine böse Dämonin hauste. Im Wald selbst befindet sich dann eine Tafel auf der geschrieben steht, wie Guru Rinpoche die Dämonin bezwang.

 

Ein anderer Ausflug, auf den ich mich bereits sehr gefreut hatte, war der Besuch des Manas-Nationalparks. Ich war schon besonders gespannt darauf, all die großen Säugetier, wie Büffel, Waldelefanten, und vielleicht sogar ein Nashorn oder einen Tiger zu sehen, die es in dem Park gibt. Zu meinem großen Bedauern verweigerte uns die Parkverwaltung dann aber den Zutritt, obwohl wir einen genehmigten Antrag mit uns führten, der uns erlaubte den Park zu betreten. Der Grund war offenbar, dass Manas nicht in unserer Liste der während der Reise zugelassenen Straßen aufgeführt war. Um in den Park zu kommen, hätten wir diese Straße aber nehmen müssen. Sehr schade, aber jetzt weiß ich zumindest, welcher Punkt bei meiner nächsten Bhutan-Reise ganz oben auf der Liste stehen wird.

Zum Schluss möchte ich mich nochmals ganz herzlich beim gesamten Team für die tolle Reise bedanken. Das war sicherlich nicht das letzte Mal, dass ich mit Euch nach Bhutan gereist bin!


Falls ich Sie bis jetzt noch nicht überzeugen konnte, sich für eine Reise nach Bhutan zu entscheiden, biete ich Ihnen an, sich meine ganze Reisegeschichte, unterlegt mit Bildern dieses wunderschönen Landes in einem Orchideenverein in Deutschland oder Österreich anzuschauen. 

In den kommenden Monaten halte ich Lichtbildvorträge bei folgenden Orchideenvereinen:

10. November 2020 Vorarlberger Orchideen-Club
12. Februar 2021 Deutsche Orchideengesellschaft – Landesgruppe Württemberg
04. März 2021  Wiener Orchideengesellschaft
05. März 2021 Österreichische Orchideengesellschaft – Landesgruppe Niederösterreich
07. Mai 2021 Orchideengesellschaft Kurpfalz e.V.

 

Die Vorträge sind für alle Besucher kostenlos. Bitte kündigen Sie Ihre Teilnahme bei den Verantwortlichen des jeweiligen Orchideenvereins an, da die Räumlichkeiten vor Ort meist begrenzt sind.

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